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Handlungsanleitung für Vorgesetzte bei akuter Beeinträchtigung durch Suchtmittel

Die Arbeitsschutzvorschriften legen die Sicherheit der Beschäftigten bei der Arbeit und auf dem Arbeitsweg in die Verantwortung des Betriebes.

Gibt es kein generelles Alkoholverbot in einem Betrieb, gilt der Grundsatz des verantwortungsvollen Umgangs mit Alkohol, der beinhaltet, dass man sich und andere nicht gefährdet. (Punktnüchternheit)

Die Vorgesetzten tragen im Auftrag des Arbeitgebers die Verantwortung für die Sicherheit der Beschäftigten und müssen im Akutfall entscheiden, ob und wann sie intervenieren sollen.

Die Grundlage für die Entscheidung ist die GUV-V A 1, in der festgelegt ist, dass Versicherte, die erkennbar nicht in der Lage sind, eine Arbeit ohne Gefahr für sich oder andere auszuführen, mit dieser Arbeit nicht beschäftigt werden dürfen (GUV- V A1 §7).

Ebenso dürfen Versicherte sich selber durch den Konsum von Alkohol, Drogen oder anderen berauschenden Mitteln, dazu gehören auch Medikamente, nicht in einen Zustand versetzen, durch den sie sich oder andere gefährden könnten (GUV-V A1 §15).

Gibt es Hinweise oder den begründeten Verdacht, dass Beschäftigte unter dem akuten Einfluss von berauschenden Mitteln stehen, müssen Sie als Vorgesetzte/r entscheiden, ob die betroffene Person ihre Arbeit fortsetzen kann. Dabei sollten Sie auch Hinweisen aus dem Kreis der Beschäftigten nachgehen. Dies gilt von Fall zu Fall auch für nicht-substanzbezogenes Suchtverhalten, wie z. B. überlange Arbeitszeiten bei Arbeitssucht, dass die Arbeitssicherheit gefährdet.

Sie brauchen den Suchtmittelkonsum nicht nachzuweisen. Es kommt nur darauf an, ob eine Beeinträchtigung vorliegt. Beeinträchtigung heißt, dass die/der Beschäftigte nicht in der Lage ist, ordnungsgemäß seine Tätigkeit auszuüben.

Die Entscheidung, die betroffene Person vom Arbeitsplatz zu entfernen, orientiert sich an Ihrem subjektiven Eindruck, der sich durch allgemeine Lebenserfahrung, bzw. durch „Beweis des ersten Anscheins“ ergibt. Die Anordnung eines Alkohol- oder Drogentests ist nicht zulässig. Die oder der Betroffene kann sich zur Entlastung freiwillig einem Test unterziehen.

Sie sollten mindestens eine weitere Person hinzuziehen z. B. nächst höhere/r Vorgesetzte/r, Personalrat. (Beweishilfe)

Weisen Sie die oder den Beschäftigten darauf hin, dass die Möglichkeit besteht einen Gegenbeweis zu erbringen. (Hausarzt, Betriebsärztlicher Dienst o.ä.).

Der Vorgang sowie konkrete Ausfallerscheinungen und Auffälligkeiten sind schriftlich festzuhalten und von der zweiten Person mit zu unterschreiben. Am nächsten Tag sollte die/der betroffene Beschäftigte die Niederschrift ebenfalls im Rahmen eines Gespräches unterschreiben.

Wird die/der Beschäftigte nach Hause entlassen, trägt der Arbeitgeber die Verantwortung für den sicheren Heimweg bis zur Wohnungstür (Rechtsprechung). Veranlassen Sie als Vorgesetzte/r einen Heimtransport, so hat die/der Beschäftigte die Kosten zu tragen. (Rechtsprechung)

Sie müssen das Ihnen Zumutbare tun (Fürsorgepflicht), damit die/der Beschäftigte sicher nach Hause kommt. Dies kann z.B. die Begleitung des Betroffenen durch Vorgesetzte oder Kollegen im Dienstwagen, Taxi oder im öffentlichen Verkehrsmittel sein. Bei einer möglichen Gefährdung des Begleiters durch das Verhalten der/des auffälligen Beschäftigten versuchen sie zu organisieren, dass er von Angehörigen oder Freunden abgeholt wird. Gegebenenfalls rufen Sie die Polizei.

(Klären Sie, ob der Heimtransport mit dem betrieblichen Fahrdienst durchgeführt werden kann oder mit dem Taxi. Für die Fahrt mit dem Taxi liegt Bargeld bei der Suchtbeauftragten bereit. Falls die Suchtbeauftragte nicht im Haus ist, kann das Taxigeld von dem Sekretariat der Zentralen Studienberatungsstelle SH 2/207, Tel. 23865, ausgegeben werden. Der Heimtransport soll mit2 Begleitpersonen durchgeführt werden. Eine der Begleitpersonen sollte ein Sanitäter der Ruhr-Universität sein. Die Sanitäter sind zu erreichen unter: 32 23333)

Auf gar keinen Fall darf ein Mitarbeiter der kaum noch ansprechbar ist oder hilflos oder desorientiert wirkt, unbeaufsichtigt bleiben. Gegebenenfalls rufen Sie über die Leitstelle (32-23333) einen Rettungswagen.

Weigert sich die/der Beschäftigte nach Hause zu gehen, schalten Sie den nächst höheren Vorgesetzten ein. In dem Fall ist es auch sinnvoll über die Personalabteilung die Angehörigen zu informieren. Gegebenenfalls rufen Sie die Polizei.

Ist die betroffene Person durch eigenes Verschulden an ihrer Dienstleistung verhindert, besteht für die ausgefallene Arbeitszeit kein Anspruch auf Bezüge.

Nach einer Intervention wegen akuter Gefährdung der Arbeitssicherheit sollten Sie dies als Anlass nehmen, ein Klärungsgespräch bzw. ein Stufenplangespräch mit der/dem Beschäftigten zu führen und auf die „Kontaktpersonen Sucht“ hinzuweisen.

Auch für Betriebsfeste und Feiern gilt die Fürsorgepflicht des Vorgesetzten. Allerdings nicht für private Feier (Geburtstag etc.), die im Betrieb genehmigt stattfinden.